Kinder erfragen Demokratie

Das Projekt "Kinder erfragen Demokratie" hat der Offene Kanal Dessau 2010 in Kooperation mit dem punkt e.V. durchgeführt.

Mitteldeutsche Zeitung vom 06.05.2010

Erste Visitenkarten im Kinderstudio

VON SILVIA BÜRKMANN

Im Kinder-Studio wurden am Donnerstag fleißig die Köpfe an den Gruppentischen zusammen gesteckt. (FOTO: THOMAS RUTTKE)

Die Plakate in den großen Fenstern des einstigen Ladenlokals sind Programm: "Sehen, was dich bewegt - filmen, schneiden, senden!" Der Offene Kanal Dessau startet am Donnerstagnachmittag sein aktuelles Projekt "Kinder fragen Bürger". In das eigens dafür eingerichtete Kinderstudio in der Ferdinand-von-Schill-Straße 38 sammelt sich am Eröffnungstag eine muntere Kinderschar um die fünf großen Gruppentische. Tische und Stühle hat das Schulverwaltungsamt ausgeliehen. Der Offene Kanal Dessau hat zahlreiche engagierte Partner in das Projekt einbinden können. Die Wohnungsgesellschaft DWG stellte das Objekt zu günstigen Bedingungen zur Verfügung. Im Hintergrund stapeln sich noch drei dicke Rollen Fußbodenbelag. Mit dieser Spende der Firma Debolon soll das Studio bis zur nächsten Woche noch ein freundliches Aussehen ohne Stolperfallen erhalten.

Danach aber fragt zur "Stunde Null" keiner. Ein erstes Kennenlernen stellt ganz andere Fragen: Wie heißt Du?, Was machst Du gern und was nicht? Was gefällt Dir in Dessau und was nicht? Warum und wie bist Du heute ins Kinder-Studio gekommen? An den Gruppentischen unterhalten sich Studentinnen aus dem zweiten Semester Sozialpädagogik der Hochschule Magdeburg / Stendal mit den zehn- bis 14-jährigen Kindern. Fragen nach, schwatzen, lachen und erhalten so Schritt für Schritt ein erstes Bild von den Hoffnungen, Auffassungen und Träumen des Nachwuchses, der sich für das Medienprojekt interessiert und neugierig darauf ist, einmal vor oder hinter der Kamera zu stehen. Nach der ersten halben Stunde weicht anfängliche Scheu einem munteren Geschnatter, füllen sich nach und nach die Visitenkarten, mit denen sich die Kinder untereinander vorstellten.

So war Friederike (11), die mit ihrer Freundin Imke (12) ins Studio kam, "neugierig wie ein gespannter Regenschirm", was beim Fernsehen so alles zusammenkommt. Die zwei Mädchen aus der 6. Klasse am Liborius-Gymnasium haben viele gleiche Einträge bei ihren Lieblingsbeschäftigungen: Singen, Tanzen, Lesen. Und: " Mit-der-Freundin-reden-wie-ein Wasserfall." Und beide stehen in den Schule mit Geografie und Mathe eher auf Kriegsfuß und mögen keine Jungs, die über alles und jeden lästern. Antonia (11) von der Kreuzbergschule wiederum kennt das Schnatterinchen Frederike bereits von Dessopolis und vom Ferienlager am Kühnauer See.

Eine große Runde von Tisch zu Tisch dreht auch Ilgika Kindermann vom Jugendmigrationsdienst der St. Johannis GmbH. Viele Kinder von Zuwanderern sind neugierig auf das Medienprojekt. Die Sekundarschule "Am Rathaus" ist stark vertreten. Und gleich in Familie: Die 14-jährige Hadeer mit dem hüftlangen schwarzen Haar hat ihren elfjährigen Bruder Amir dabei, wie die elfjährige Alaa den neunjährigen Hussen. "Ich möchte Neues erleben", war Alaa gleich dabei, als Ilgika Kindermann das Projekt ankündigte.

Und was wäre, wenn eine Fee plötzlich Wünsche erfüllen könnte? Alaa träumt vom Umzug. Und Hadeer wünscht sich einfach "gute Menschen". Der Anfang im Kinder-Studio scheint gemacht. Mit guten Nachwuchs-Demokraten.