Elberado

Im Jahr 2010 fand die Kinderstadt ELBERADO in Magdeburg satt. Die Landeshauptstadt erlebte damit die Premiere einer eigenen Kinderstadt. Der punkt e.V. begleitete das Projekt des KINDERbUNT e.V. im Rahmen einer Kooperation:

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Mitteldeutsche Zeitung vom 29.07.2010

Kinderstädte

Erwachsene gehen in den Elterngarten

VON SABRINA GORGES

Kinder üben sich in dem, was für Erwachsene Alltag ist: Entscheidungen treffen, Geld verdienen und sogar regieren.

Am Eingang zu der von Bauzäunen umgebenen Kinderstadt "Elberado" hängt ein handgeschriebener Zettel. Mit grünem Filzstift hat eine Kinderhand "Runtgänge führ Erwachsene" darauf geschrieben. Zwischen den Bäumen hängen nicht ganz ernst gemeinte Warnschilder "Vorsicht Kinder!" und überall hört man Kinderlachen.

Auf dem Gelände der Hochschule Magdeburg-Stendal hat erstmals die Kinderstadt "Elberado" ihr Quartier aufgeschlagen. In den vergangenen sieben Tagen übten sich hier täglich bis zu 250 Knirpse zwischen sieben und 14 Jahren in dem, was für Erwachsene Alltag ist: Entscheidungen treffen, Geld verdienen und sogar regieren.

Warten am Arbeitsamt

Die Schlange am Arbeitsamt ist lang. "Wie im richtigen Leben", scherzt Projektleiter Heiko Bergt vom Magdeburger Verein Kinderbunt. Doch der erste Weg führt die Kinder nach dem Einwohnermeldeamt zur Sparkasse. "Sie bekommen ein Startgeld. Dann müssen sie selbst etwas verdienen." Und wie es scheint, sind auch in "Elberado" die Jobs knapp. Wer aber etwa in der Apotheke, dem Foto- oder Tattoo-Studio arbeitet, kann die verdienten Elbos - die eigene Währung - ausgeben und sich massieren lassen oder Briefe verschicken.

Der achtjährige Crispin führt eine internationale Besuchergruppe über das Gelände. Er trägt die Bürgermeisterschärpe, obwohl das Amt vakant ist. "Das erste Stadtoberhaupt war schon nach zwei Tagen amtsmüde", erklärt Bergt. Jetzt ist die Kinderstadt zwar führungslos, aber glücklich. "Neuwahlen sind gescheitert, aber es geht auch so", sagt der Sozialarbeiter. Crispin erklärt alles in Englisch, schließlich kommt seine Mutter aus den USA.

Außer den 60 Betreuern sind keine Erwachsenen zu sehen. Wer mit den Eltern kommt, kann sie im "Elterngarten" abgeben.

Andrang in Halle

Elke Arnold ist Projektleiterin der Kinderstadt in Halle. Fünf Wochen wurde hier im Juni und Juli auf Initiative des Thalia-Theaters und des Kinderstadt-Vereins als ein Schwerpunkt eine kindgerechte Stadtführung ausprobiert. "Die Kinder sollen sich gegenseitig etwas beibringen", so Arnold. "Und sie werden mit Demokratie und dem Geld- und Warenfluss konfrontiert." Fast 10.000 Besucher kamen dieses Jahr, 2012 wird es in Halle die sechste Kinderstadt geben. Auch anderswo sind Kinderstädte populär: So gibt es "Andershausen" in Quedlinburg, "Bärenhausen" in Bernburg und "Dessopolis" in Dessau-Roßlau.